Termine


28.09.2024, Privatkonzert, Schloss Rheda 10.10.2024, 18:15 Uhr, Münster, Galerie der ULB
12.10.2024, 19:30 Uhr, Verl, Fachwerkkonzert
20.11.2024, 19:00 Uhr, Haltern am See, Römermuseum "Coriolano", Oper von Carl Heinrich Graun (~1704–1759), komprimierte Fassung
Ausführende:
Christina C. Oellers (Sopran), Dirk Janke (Rezitation), Ina Grajetzki und Burkard Rosenberger (Barockvioline), Susanne Wahmhoff bzw. Clara Arnold (Barockcello), Harald Schäfer (Cembalo)

Inhalt:
Der siegreiche und stolze römische Feldherr Coriolano ist erzürnt, weil ihm – trotz aller militärischen Erfolge – die Wahl zum römischen Konsul verweigert wird. In den folgenden politischen Auseinandersetzungen wird Coriolano des Umsturzes der Verfassung angeklagt und schließlich des Landes verwiesen. Kurzerhand wechselt Coriolano die Seiten und marschiert mit seinem Söldnerheer der Volsker gegen die Hauptstadt, um diese dem Erdboden gleich zu machen. Überrascht von dieser Wendung können die Römer den heranziehenden Truppen Coriolanos keinen nennenswerten Widerstand bieten, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis Rom fallen wird. In höchster Not entsendet der römische Senat Parlamentäre, die um die Verschonung Roms bitten sollen, doch weder eine Delegation adeliger Damen aus den besten Familien Roms noch die Vestalinnen – hochangesehene Priesterinnen und Hüterinnen des Herdfeuers im Tempel der Vesta – finden bei Coriolano Gehör. Rom soll untergehen! Schließlich spielen die Senatoren ihren letzten Trumpf aus und schicken die in Rom ansässige Familie Coriolanos – seine Mutter Vetturia, seine Frau Volunnia sowie seinen Sohn Flavio – in das Feldlager des Angreifers. Diesen dreien gelingt es schließlich, Coriolano umzustimmen, und er willigt in eine Verschonung Roms ein, wohl wissend, dass dies sein eigener Untergang sein wird: Der Verzicht auf die Eroberung und Plünderung der reichen, aber schwachen Hauptstadt enttäuscht seine Soldateska derart, dass sie ihren Feldherrn kurzerhand umbringen. Ohne ihren militärischen Führer sind die Volsker jedoch nicht mehr in der Lage, Rom einzunehmen und müssen sich kampflos zurückziehen. „Roma è salva – Rom ist gerettet“ singt erleichtert der Schlusschor... (Burkard Rosenberger)

Zur Aufführung:
In den Residenzen Hohenlimburg und Rheda der Reichsgrafen (heute Fürsten) zu Bentheim-Tecklenburg-Rheda waren die Opern Carl Heinrich Grauns wie auch die Instrumentalmusik seines Bruders Johann Gottlieb Graun – der eine Hofkapellmeister, der andere Konzertmeister unter Friedrich II. in Berlin – offenbar sehr beliebt: In der Musikbibliothek Rheda, die heute in der Universitäts- und Landesbibliothek Münster als Dauerleihgabe aufbewahrt und gepflegt wird, hat sich eine bedeutende Sammlung von Kompositionen der beiden Brüder Graun erhalten, darunter Auszüge aus insgesamt 20 Opern von Carl Heinrich Graun. Unter diesen wiederum nimmt Coriolano mit der Überlieferung der Sinfonia sowie von acht Sopran-Arien eine herausragende Rolle ein. Der geringen Größe der Rhedaischen Hofkapelle geschuldet mussten die Originalkompositionen Grauns allerdings oftmals bearbeitet werden, um die große Oper aus der Metropole Berlin in den kleinen westfälischen Residenzen aufführen zu können. Inspiriert von dieser Aufführungspraxis und basierend auf der handschriftlichen Originalpartitur aus Berlin hat das Ensemble con moto Grauns großbesetzte und nach heutigen Maßstäben mehr als abendfüllende Oper Coriolano in eine besetzungsmäßig wie zeitlich reduzierte konzertante Fassung übertragen: Lediglich eine Sopranistin sowie zwei Violinen und der mit Violoncello und Cembalo besetzte Generalbass ziehen gleichsam den Vorhang auf für eine spannende und berührende Kurzfassung dieser barocken Tragedia per Musica. Das Vorhaben konnte deshalb so gut gelingen, weil nahezu sämtliche Figuren der Oper – insbesondere Coriolano, seine Mutter, seine Frau und sein Sohn – in der musikalischen Disposition Grauns für die Stimmlage Sopran geschrieben wurden, so dass eine einzige Sängerin sämtliche tragenden Charaktere ausführen und darstellen kann. Eine große Herausforderung für die Ausführenden dieser Fassung ist dabei aber, die rasch wechselnden Affekte der einzelnen Arien – Ruhm- und Ehrsucht, Kampfeslust, Trauer und Hoffnung, Liebe und Verzweiflung – auch ohne Bühnendarstellung für die Zuhörer verständlich zu machen, zumal die Arien im für Barockopern üblichen Italienisch gesungen werden. Deshalb rezitiert ein Sprecher zwischen den ausgewählten Musikstücken verbindende Texte, die den Zusammenhang des Operngeschehens herstellen und dieser Fassung damit zu einer inhaltlich vollständigen Dramaturgie verhelfen. (Burkard Rosenberger)